Buber und Freunde


Buber , Martin
Bilder von Gut und Böse





Muth, Cornelia
Zwischen Gut und Böse

Suche

 

Teil II Abschnitt 3 – Erholung von der Es-Welt durch Gefühle ?

Wieder geht Buber von einer Behauptung (Grundthese, Warnung ?) über das Verhältnis der Ich-Es- zur Ich-Du-Situation aus. Zuvor hatte er schon eine zwangsläufige ständige Verstärkung und Ausweitung der Ich-Es-Welt konstatiert. Nun meint er, die Ausbildung, der auf die Ich-Es-Situation bezogenen Funktion, erfolge (meist) durch eine Minderung der Beziehungskraft. Diese Ausbildung geht also nicht mit einer Minderung der Beziehungskraft einher, sondern sie hat diese Minderung zur Grundlage, wächst aus ihr. Die Minderung der Beziehungskaft sei Werkzeug zur Ausbildung der erfahrenden und gebrauchenden Funktion. Hmm ? Jedenfalls sehe ich den Rest des Abschnitt nicht als Erklärung dieser Behauptung – auch wenn wir selbst da intuitiv einen wie auch immer genau gearteten Zusammenhang sehen mögen. Spannend wäre halt, wie genau der beschaffen ist...

Dann weiter: Der Geist als Genußmittel – das kann wohl nicht der gleiche Geist sein, von dem Buber in Abschnitt 2 spricht.

Der Mensch- unter dem Grundwort der Trennung (eine neue Beschreibung der Ich-Es-Situation, dann die Ich-Du-Situation also als Grundwort der Beziehung) stehend – trennt sein Leben mit den Mitmenschen in Ich-bezogene Anteile (die Welt des Gefühls) und Es-bezogene (die Einrichtungen). Entscheidend hier also (wie schon in Teil 1) die Zuordnung der Gefühle nicht zur Beziehung (dem Zwischen) sondern zum Ich. Die Welt des Ichs, die Welt der Gefühle sodann als „Schaukelstuhl.“ 80 Jahre später mag man das schon als nachgerade positiv, weil gefühlsoffen, ansehen. Tatsächlich geht es um eine Beschreibung des Narzissmus – der aussichtslosen Ich-Bezogenheit. Und dann erwähnt er die Gefühle in Politik und Verbänden – erhellendes über die desaströse Rolle von beziehungsloser, narzisstischer Ich-Bezogenheit im öffentlichen Raum.

Den Menschen kennt weder das ich-bezogene, noch das es-bezogene, denn beide Situationen kennen weder das Zwischen, noch das Du. Der Sinn für Gemeinsamkeit entsteht gerade erst aus dem Sinn für das dazwischen (was eben nicht so sehr trennt, sondern verbindet) und das Du (nicht gegenüber, sondern umfassend). Ich und Es brauchen dann übrigens nichts „trennendes,“ denn sie haben nichts verbindendes. Ich und Es haben in der Ich-Es-Situation je eine Außenwand, je ihre eigene Definition, Grenze. Da muss sich also nichts trennendes dazwischen schieben: so etwas trennendes wäre in Wirklichkeit etwas verbindendes, nämlich etwas, dem Ich und Du gemeinsam anliegen.

Gefühle ohne Du sind unwirklich – auf das Ich bezogen können sie nicht wirken. Die Verzweiflung über die Unwirklichkeit der Gefühl (oder jedes andere folgende Gefühl) läßt einen unproduktiven Kreislauf entstehen.

Einrichtungen (Es-Welt) Gefühle (Ich-Welt) aufzupfropfen führt nur zu weiterer Verwirrung, nicht zu einer Verbesserung des Zustands, denn so entsteht weder (wohlverstandenes) öffentliches Leben, noch persönliches Leben. Beides entsteht nur durch Beziehung nach der Art der des Rades, das durch Speichen mit der Nabe verbunden ist, durch die lebendige Mitte. „...Gemeinde entsteht nicht dadurch, dass Leute Gefühle für einander haben (wiewohl freilich auch nicht ohne das), sondern durch diese zwei Dinge: daß sie alle zu einer lebendigen Mitte in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen und daß sie untereinander in lebendig gegenseitiger Beziehung stehen. Das zweite entspringt aus dem ersten, ist aber noch nicht mit ihm allein gegeben.... der Baumeister ist die lebendige wirkende Mitte.“ Das metaphysische Faktum der Liebe ist, dass sich zwei Menschen das Du offenbaren. Von dort aus läßt sich auch die Ehe erneuern, nicht etwa von der Erotik, die sich auf ich-bezogene Gefühle beschränkt.

Einrichtungen und Gefühle sind also für „wahres“ öffentliches und privates Leben notwendig, geschaffen wird es aber nur von dem in der Gegenwart empfangenen zentralen Du.
bahnfahrerin - 13. Mär, 07:37

golem und seelenvogel

Manches muss ich mir "auf der Zunge zergehen lassen"

"Das abgetrennte Es der Einrichtungen
ist ein Golem
und das abgetrennte Ich der Gefühle
ein umherflatternder Seelenvogel."

und

" Wahres öffentliches Leben
und wahres persönliches Leben
sind zwei Gestalten der Verbundenheit."
Dazu bedarf es
Gefühle (der wechselnde Gehalt)
Einrichtungen (die stetige Form)
und
das in der Gegenwart empfangene zentrale Du.

Trackback URL:
https://buber.twoday.net/stories/552171/modTrackback

Aktuelle Beiträge

vor Teil III - 18. und...
Eigentlich ist es gar nicht so starker Toback. Aber...
sehen - 19. Mär, 00:24
Teil III – Abschnitt...
Der erste Satz stellt nicht die Frage dar, ob etwa...
sehen - 17. Mär, 16:14
Teil III - Abschnitt...
Ich weiss nicht, ob mir Abschnitt 16 unzugänglich ist,...
sehen - 13. Mär, 23:23
Teil III - Abschnitt...
Buber setzt sich zunächst beispielhaft mit der Behauptung...
sehen - 12. Mär, 23:42
Warum
sind wir denn noch immer nicht weiter ? Hab angefangen...
sehen - 17. Jan, 10:48

Credits


Ich und Du - das Buch
mehr zu hoeren und sehen
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren